Für wen ziehst du dich an?

Das klingt vielleicht wie eine komische Frage anfangs, aber ganz ehrlich ist es eine Frage die es sich voll lohnt. Wer profitiert von deinem Image, deinem Aussehen?

Hoffentlich ist die erste Antwort: Ich selbst!

Doch so oft ist es eigentlich so, dass wir Kleidung selektieren mit jemandem anderen im Kopf. Ob das nun der neue Chef ist der strenge Richtlinien in seiner Firma haben will, oder die beste Freundin die mal gemeint hat du solltest doch lieber kein Rot tragen, oder die Modemagazine die dir ganze Listen vo Do’s und Dont’s geben… Wir haben so viele Stimmen im Kopf wenn wir vor dem Kleiderschrank stehen. Oft ist unsere eigene die leiseste, denn wir sind uns weniger wichtig als die Meinung anderer über uns. 

Hinzu kommt aber auch die ganze gesellschaftliche Struktur von binärer Geschlechtertrennung in der Mode, und die in feministischen Kreisen gut-bekannte “male gaze”, also der männliche Blick. Wenn wir in einem weiblich gelesenen Körper geboren werden, gibt uns die Erziehung ganz schön viel mit:

  • Sei eine Lady
  • Brave Mädchen machen das nicht
  • Sei still
  • Bleibe klein
  • Sei lieb
  • …

Wir lernen sehr früh unseren Körper und deren Bedeckung als Objekte zu betrachten und um zu überleben setzen wir sie gekonnt ein um das zu bekommen, was wir uns wünschen. Ein kleines, liebes Mädi mit süßem Kleiderl und großen Augen bekommt viel eher wonach es brav bittet als ein wildes Mädchen mit zerrissener Jean, fleckigem Tshirt und zerzausten Haaren, oder? Also wird die Anpassungsfähigkeit an die Erwartungen anderer ein unbewußter aber sehr wichtiger Bestandteil unserer Identität. 

Das wird später nur noch verstärkt wenn wir die Pubertät und unsere sexuelle Anziehungskraft auf andere erleben. Oft heißt es dann von den Erwachsenen wir müssten uns weniger aufreizend anziehen, weil wir sonst das verdienen, was uns widerfährt. Unsere Peergruppe meint wiederum dass wir nicht so geizen sollten mit unseren Reizen, weil wir ja sonst prüde und langweilig sind. Anerkennung und Erfolg bekommen wir oft dann, wenn wir uns besonders “weiblich” anziehen, doch dann wird gemunkelt, wir haben uns den nicht erarbeitet sondern erschlafen. Welchen Regeln du auch befolgst für Mode und dein Erscheinungsbild, kannst du es nicht allen recht machen.

Anderen gefallen wollen ist an sich nichts Schlechtes. Doch die erste, der du gefallen solltest, bist du selbst!

Oft haben wir es total verlernt, was uns wirklich gefällt, worin wir uns wohlfühlen, weil wir so stark geprägt werden von den Erwartungen und Meinungen anderer. Der Prozess, diese übergestülpten Haltungen zu identifizieren und abzustreifen, damit wir uns selbst wiederfinden können ist extrem wichtig, denn ohne ihn werden wir nie ganz in uns selbst ankommen können. Wenn du in dir ruhst, dich selbst kennst, und weißt was dir gefällt, dann hast du die Freiheit dich der Welt so zu zeigen wie du bist. 

Als Kind liebte ich alles was Rosa, bunt, flauschig war und glitzerte. Bis ich 13 war und wir umzogen war eine Wand in meinem Schlafzimmer rosa gestrichen, was mir zu dem Zeitpunkt schon sehr peinlich war. Ich hatte gelernt, dass “schweinchenrosa” eine “Mädchenfarbe” und daher blöd war. Diese Haltung internalisierte ich extrem lange, bis ich mich auf den Weg machte, mich selbst zu finden. Da entdeckte ich auch diese ganze Seite an mir, die noch immer Rosa-Glitzer-Flausch liebt! Nun ist mir das nicht mehr peinlich und ich integriere die mädchenhafte, spielerische Seite gerne mal in meine Outfits. Das tut so gut und macht mich richtig glücklich!

Also, für wen ziehst du dich an? Trägst du das, was DICH glücklich macht? Womit deine Laune gehoben wird? In dem du dich wohl fühlst? Oder sind es noch andere Stimmen, die deine Outfitwahl beherrschen? Melde dich, wenn du dazu Gedanken hast, lass uns gemeinsam drüber nachsinnen!

Von Herzen, deine Erika

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